Problematik der Systematik

Donnerstag , 15, Januar 2015 Leave a comment
Buddhastatue im Schrein von Golgulsa

Buddhastatue im Schrein von Golgulsa

Wer einen Blog schreibt, der sollte wissen was er tippt. Möchte man zumindest meinen. Aber eines vorweg, ich bin ein buddhistischer Laie und vieles liegt für mich noch im Nebulösen, das meiste wohl noch im Verborgenen. Daher tue ich mir alleine schon bei der Überlegung welche Kategorien ich zum Ordnen der Inhalte verwenden soll sehr schwer. Wenigstens bei der Aussicht tue ich mir leichter. Der Blog soll wirklich bei den Basics beginnen und sich dann langsam zu mehr Detailaspekten hin steigern. Und wo immer ich eine Brücke zum Thema Sucht sehe, werde ich sie schlagen, bis sich der Blog schließlich vermehrt (hauptsächlich?) mit Suchtfragen auseinandersetzt.

So, von wo weg möchte ich hier nun den Faden aufgreifen? Am besten fange ich dort an darüber zu schreiben, wo und wann für mich „mein“ Buddhismus begann. Es geschah am 4. Juli 2013 im indischen McLeod Ganj. Wobei, dieser Tag ist recht beliebig gewählt, denn eigentlich begann alles schon als ich etwa sechs Jahre alt war, also vor etwa 27 Jahren (Ja, auch das ist beliebig gewählt. Aber eine gute Geschichte). Das Telefon klingelte, mein Großvater war am Apparat und er fragte mich, ob ich nachmittags Zeit hätte. Hatte ich und er beorderte mich eine halbe Stunde später zur Straßenecke vor meiner Wohnung. Ich solle dort mit meinem Turnbeutel auf ihn warten. Er fuhr vor, ich hüpfte ins Auto und wir fuhren an den Grazer Lendplatz, zum Taekwondo. Die asiatische Kampfsportschule gehörte südkoreanischen Patienten von ihm (mein Großvater war praktischer Arzt) und er war immer schon ein Fan asiatischer Lebensweisen. Also begann ich mit Taekwondo. Aber das war nicht der einzige Kontakt mit Südkorea, denn mein Sitznachbar in der Volksschule war vom ersten Tag an Uzin, ein gebürtiger Grazer mit koreanischen Eltern. Uzin begleitete als bester Freund mein Leben bis wir etwa zehn Jahre alt waren, dann zogen er und seine Eltern zurück nach Seoul und der Kontakt riss bald darauf ab. Taekwondo trainierte ich noch zwei weitere Jahre, aber auch dann verließ mich die Muse und das Kapitel Korea war geschlossen. Vorerst. Viele Jahre später, ich war 29, wollte ich wieder Kontakt zu Uzin herstellen, wollte wissen was aus ihm und seiner Familie wurde. Man sollte meinen, dass heutzutage, mit Facebook und ähnlichem, so eine Suche einfach vonstattengehen muss. Aber leider war jede Spur eine Sackgasse. Am nächsten kam ich Uzin, als ich Fotos von einem Treffen fand. Es handelte sich um eine Wiedersehensfeier von Koreanern in Seoul, die alle einst in Österreich gelebt und gearbeitet haben. Beim Durchscrollen blieb ich sofort beim Bild von Uzin und seiner Familie stehen. Ich erkannte sie sofort wieder. Klar, er war vier Jahre lang mein bester Freund, so sehr altern konnte er gar nicht, als dass ich ihn nicht wiedererkennen würde. Auch später, als er mich in Seoul vom Busbahnhof abholte, habe ich ihn aus tausenden Gesichtern sofort wiedererkannt. Dass ich überhaupt nach Korea schaute hatte ich dem Umstand zu verdanken, dass Uzin mich ungefähr sechs Wochen vor meiner Abfahrt zu meiner Weltreise ausfindig gemacht hatte. Ich erzählte ihm von meinen Reiseplänen und er lud mich nach Seoul ein. Eine Woche wollte ich bei ihm und seiner Familie bleiben, dann weiterziehen. Aber als ich in Korea war, da konnte ich nicht anders, als dort zu bleiben, zu sehr war ich beeindruckt vom Land und den Menschen dort. Ich blieb fast drei Monate. Dann stand Japan am Programm. Meine Fähre lief von Busan aus und ich wollte nicht die eine Nacht in dieser Stadt in einem Hostel verbringen, ich wollte jemanden kennenlernen. Via Couchsurfing kam ich mit Sam in Kontakt und sie lud mich zu sich ein. Ich kam am Nachmittag, wir verstanden uns von Beginn an blendend, irgendwann musste ich unsere Gespräche abbrechen und ins Bett gehen. Am nächsten Morgen trennten wir uns, sie ging in die Schule unterrichten, ich ging zum Hafen. Als wir uns trennten war da so ein merkwürdiges Gefühl. Aber wer gibt schon Gefühlen einen Platz, wenn der Terminplan zwackt und die Fähre in Gedanken schon zum Auslaufen tutet. Als ich in Japan war, da begannen Sam und ich E-Mails auszutauschen. Wir sahen ein, dass wir uns beide gerne wieder sehen würden, weil wir uns noch einiges zu sagen hatten. So kehrte ich nach Korea zurück und zog bei Sam ein. Irgendwann war dann Chusok, vergleichbar mit dem Erntedankfest, und Sam hatte ein paar Tage frei. Sie wollte etwas unternehmen und ich schlug ihr einen „Templestay“ vor – ein paar Tage wie eine Nonne oder ein Mönch in einem Tempel leben. Sie überließ mir schließlich die Wahl aus hunderten Tempeln und ich entschied mich für Golgulsa. Wieso? Weil dieser Tempel Sunmudo anbot, eine Kampfkunst und irgendwie erinnerte ich mich wieder gerne an meine Zeit als Taekwondo-Schüler zurück. Vier Tage verbrachten wir im Tempel, dann ging es wieder retour nach Busan. Aber ich spürte ganz stark, dass ich wieder in diesen Tempel zurück wollte, nach Golgulsa wollte, mit den Mönchen leben wollte. So kehrte ich für fünf Wochen zurück. Ehrlich gesagt kam ich nur wegen Sunmudo. Mir war nicht wirklich klar, dass es sich um einen buddhistischen Tempel handelte. Für was Meditation gut sein sollte erschloss sich mir zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht. Und immer dieses komische „chanten“ in der Früh und am Abend. Aber es kam, wie es kommen musste. Wer ins Wasser springt wird nass, ob es ihm auffällt oder nicht, ob man will oder nicht. Und so wurde ich Buddhist. Langsam. Unmerklich erst. Doch die Saat war gesät. Und sie ging, wie gesagt, im indischen McLeod Ganj auf, indem ich mich zum Buddhismus bekannte:

Ich bekenne mich zum Buddhismus. Von heute an nehme ich Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha. Ich gelobe, die vier edlen Wahrheiten zu verinnerlichen und zu leben.
Und was sind die vier edlen Wahrheiten?
  • Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
  • Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
  • Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
  • Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.
Und was ist der edle achtfache Pfad? Es ist eine Anleitung zu einer Lebenspraxis die aus dem Leid führt. Wer sich an ihm orientiert kann nicht anders, als das Leid erlöschen zu lassen. Dazu nötig sind:
  • Rechte Rede (samma-vaca)
  • Rechtes Handeln (samma-kammanta)
  • Rechter Lebensunterhalt (samma-ajiva)
  • Rechte Anstrengung (samma-vayama)
  • Rechte Achtsamkeit (samma-sati)
  • Rechte Konzentration (samma-samadhi)
  • Rechte Absicht (samma-sankappa)
  • Rechtes Verstehen (samma-ditthi)
Mögen alle Wesen glücklich sein!

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